• Ferdinand Uth

Kurzrezension: Tagame. Berlin-Tokyo von Kenzaburo Oe



Tagame. Berlin - Tokyo vom Literatur-Nobelpreisträger Kenzaburo Oe erzählt autobiographisch von der Freundschaft Kogitos (Oes alter Ego) zum Regisseur Goro (Juzo Itami) nach dessen Suizid. Dieser ließ ihm zuvor Kassetten zurück, um erneut, wie in Schulzeiten über Kunst und Literatur in den Austausch zu treten. Kogito hört sich diese immer wieder an, um dem Verstorbenen nahe sein zu können. Gleichzeitig entfernt er sich dadurch von der Welt der Lebenden, seiner Ehefrau und seinem Sohn. Um Distanz zu gewinnen, tritt er eine Gastprofessur an der Freien Universität Berlin an, wo er jedoch erneut mit Goro und dessen Vergangenheit konfrontiert ist.

Das Buch ist gewissermaßen schwierig. Aufbau und Sprache sind etwas ungewohnt. Es bewegt sich viel auf der Metaebene, ist gefüllt mit Kulturreferenzen und verlangt vom Leser ein gewisses Verständnis verschiedenster Hintergründe aus dem Nachkriegsjapan, insbesondere über nationalistische Strömungen. Gleichzeitig fühlt es sich sehr echt an. Man kann sehr nah an die Gefühle und Erinnerungen Oes herantreten, oft näher als bei anderen

autobiografischen Werken: Er versteckt sich nicht, sondern stellt sich und seine Wahrheit kristallklar in den Raum.

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