• Ferdinand Uth

Kurzrezension: Die Vegetarierin von Han Kang

Aktualisiert: 2. Sept.



Vorab: Ich habe von Han Kangs "Die Vegetarierin" nur die englische Fassung gelesen. Zu der deutschen Übersetzung kann ich also kein Urteil abgeben. Da es mich jedoch sehr beeindruckt hat, würde ich gerne trotzdem eine Kurzrezension darüber schreiben.


Die Vegetarierin ist großartig, aber auch grausam, Traum-artig und merkwürdig in der gleichen Art, wie Murakamis Bücher merkwürdig sind. Die Geschichte beschreibt das Leben von der verheirateten Koreanerin Yeong-Hye, die plötzlich ablehnt, Fleisch zu essen und sich somit gegen die strikte koreanische Gesellschaft - und ihren Mann - verweigert.

Es hat drei Kapitel, die alle aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden. Das erste Kapitel ist über ihr gewöhnliches Leben, ihren Alltag, die kühlen Wiederholungen einer Zweckehe. Und wie ihre Entscheidung, kein Fleisch mehr zu essen (oder zu kochen), all diese Dinge aus dem Gleichgewicht bringt.

Das zweite Kapitel handelt von Lust. Denn ihre abrupte Entscheidung, sich von alten Konventionen loszulösen, erregt nicht nur Wut und Ablehnung, sondern auch Leidenschaft und Aufregung.

Das dritte Kapitel befasst sich dann mit den Konsequenzen, die unweigerlich alle einholen, die gewaltsam gegen das, was wir Normalität nennen, rebellieren. Denn die Linie zwischen Selbst-Bestimmung und Wahnsinn ist zu diesem Zeitpunkt bereits lange verschwommen.

Die Sprache (in der englischen Fassung zumindest) ist teilweise kühl, teilweise poetisch, aber die Bedeutung ist nicht immer ganz leicht zu erfassen: Man liest ein bisschen wie in Trance. Ich halte die Geschichte für eine Metapher und eine Beschreibung dessen, was in der Realität passiert, wenn eine Metapher Wirklichkeit wird. Das macht dieses Buch wirklich außergewöhnlich.

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